Zum Brut(zeit)vorkommen des Ortolans Emberiza hortulana in Schleswig-Holstein von 1800 bis 2017

Autor/innen

  • Rolf K. Berndt Autor/in

DOI:

https://doi.org/10.21248/corax.v24.194

Abstract

Der Ortolan war stets ein seltener Brutvogel in Schleswig-Holstein. Aus dem 19. Jahrhundert liegen nur wenige Feststellungen vor. Ab 1920 waren Vorkommen in Südholstein im Raum Wedel–Segeberger Forst–Geesthacht bekannt, mit maximal etwa 40 bis 80 Sängern. Schwerpunkt war der Raum Lentföhrden–Kaltenkirchen im Kreis Segeberg mit bis zu 30 bis 40 Sängern bis in die 1950er Jahre. Das letzte Vorkommen wurde dort 1979 festgestellt. Danach gab es in Schleswig-Holstein nur noch wenige Beobachtungen. Ab 1999 fand man neue Vorkommen im südöstlichen Teil des Kreises Herzogtum Lauenburg mit bis zu 15 Revieren, die bis 2017 auf ein bis drei Reviere abnahmen. Schwerpunkt war die Langenlehstener Heide mit bis zu sechs Sängern.

Brut(zeit)vorkommen sind ausschließlich von der Geest des Landes bekannt. Bei Kaltenkirchen reihten sich die Reviere entlang von Baumreihen an Landstraßen, Feldwegen und einer Bahnlinie. Es handelte sich dort um weitflächige, arme Felder mit nur dünner Mutterbodenschicht über eiszeitlichen Kiesen und Schwemmsanden. Im Lauenburgischen dominiert ebenfalls Ackerbau auf ertragsschwachen Sandböden. Geprägt wird die dort teils noch kleinräumig strukturierte Agrarlandschaft durch eingestreute Brachen, Reste von Sandmagerrasen, Baumreihen und größere, zunächst junge Aufforstungsflächen.

Der Ortolan erreicht in Schleswig-Holstein die nordwestliche Grenze seiner europäischen Brutverbreitung, die sicher klimatische Gegebenheiten sowie die Bestandssituation u. a. in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen maßgeblich bestimmen. Seine Lebensräume wurden in den letzten Jahrzehnten stark verschlechtert: Ausbau der Verkehrswege mit enormer Zunahme des Straßenverkehrs, Befestigung von wassergebundenen Wegen, Zerstörung der Randstreifen und Beseitigung der als Singwarte wichtigen Straßenbäume, massive Intensivierung der Ackernutzung. Inzwischen erfolgt auf Vertragsflächen in Langenlehsten ein extensiver Anbau mit speziellen Bewirtschaftungsvorgaben, die auf die Erhaltungsziele des EU-Vogelschutzgebietes und damit auch speziell auf den Ortolan abgestimmt sind.

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Veröffentlicht

15.07.2020

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Zitationsvorschlag

Berndt, R.K. (2020) „Zum Brut(zeit)vorkommen des Ortolans Emberiza hortulana in Schleswig-Holstein von 1800 bis 2017“, CORAX, 24(2), S. 193–201. doi:10.21248/corax.v24.194.