Die Besiedlung Schleswig-Holsteins durch die Türkentaube Streptopelia d. decaocto

Autor/innen

  • Fritz B. Hofstetter Autor/in

DOI:

https://doi.org/10.21248/corax.v1.93

Abstract

Bild einige ordnende Striche zu bringen, mögen folgende Hinweise dazu dienen: g Wenn wir es abschließend unternehmen wollen, in das vielfältige und verwirrende

1. Die Art war in Schleswig-Holstein an einigen Plätzen schon seßhaft, Jahre bevor der erste Brutnachweis geführt wurde.

2. Die ersten Ansiedlungen Hohenwestedt, St. Michaelisdonn, Lübeck, Elmshorn, Schönberg, wohl auch Burg/Fehmarn und Oldenburg dürften unabhängig voneinander von Zuwanderern aus Populationen außerhalb des Landes, die z.T. von weither gekommen sein mögen, gegründet worden sein.

3. Von Anfang an wurden kleine, mittlere und große menschliche Siedlungen von den einwandernden Türkentauben als Lebensraum gewählt. Die vorliegenden Berichte enthalten nicht genügend zahlenmäßige Angaben, um die Untersuchungen auf die Größe der einzelnen Populationen oder gar des sicher in stetem und rapi- dem Wachstum begriffenen Gesamtbestandes der Art in Schleswig-Holstein auszudehnen. Die Größenordnungen der einzelnen hier behandelten Populationen schwanken von einzelnen bis zu mehreren hundert Paaren. Als allgemeine Regel kann gelten, daß in kleinen Ortschaften nur kleine Populationen ansässig sind, die auch weniger gute Vermehrungsbedingungen haben als die Populationen in Mittel- oder Großstädten.

4. Als Leitlinien der Ausbreitung stellen sich dar die Grenze zwischen Geest und Marsch und die beiden Küsten, die Ostseeküste allerdings nur von Süden her bis zur Kieler Förde.

5. Mit zunehmender Siedlungsdichte gewinnt neben der Fernausbreitung die Nahausbreitung an Bedeutung. Daneben geht der Vorgang der Fernausbreitung wohl fast unvermindert fort; er ist nur nicht mehr so auffällig, weil er immer häufiger in bereits von der Art besiedelten Gebieten aufgefangen wird. 

6. Weite Gebiete des Landes scheinen noch unbesetzt zu sein. Das sind vor allem die auch vom Menschen dünn besiedelten Geestgebiete im Landesteil Schleswig, die Landschaften Angeln und Schwansen, die holsteinische Seenplatte, die großen, dünn besiedelten Moorgebiete südwestlich von Schleswig und westlich von Rends- burg und der Raum östlich Hamburgs bis zur mecklenburgischen Grenze. Hier gelten folgende Vorbehalte: Ob der zuletzt genannte Raum tatsächlich von der Art noch so wenig bewohnt ist, muß bezweifelt werden. Beobachtungslücken können der Grund eines unzutreffenden Bildes sein, die auf einem Mangel an Beobachtern beruhen. Aber auch sonst werden aufmerksame Untersuchung der auf den Karten noch weißen Gebiete sicher dazu führen, daß eine ganze Reihe schon bestehender

Literaturhinweise

DIEN, J. (1965): Ornithologischer Jahresbericht 1964 für das Hamburger Berichtsgebiet. Hamb. Avif. Beitr. 2, S. 120 (161)

ERZ, W. (1963): Zu: Die Türkentaube in Kiel. Heim. (Kiel) 70, S. 214

HOFSTETTER, F. B. (1955): Die Türkentaube Brutvogel in Schleswig-Holstein. J. Orn. 96, S. 350 DOI: https://doi.org/10.1007/BF01968605

HOFSTETTER, F. B. (1960): Mögliche Faktoren der Ausbreitung von Streptopelia d. decaocto (Friv.). Proc. XII. Int. Orn. Congr. Helsinki, S. 299

JENSEN, L. L. (1954): Tyrkerduen (Streptopelia d. decaocto [Friv.]) i Danmark. Dansk Orn. Foren. Tidsskr. 48, S. 69

MEIER, O. G. (1956): Die Türkentaube auch in Dithmarschen Brutvogel. Mitt. F. A. G., N. F., 9, S. 29

SAGER, H. (1960): Türkentauben (Streptopelia decaocto) in Kaltenkirchen. Heim. (Kiel) 67, S.385

SCHMIDT, G. A. J. (1955): Eine Phänologie bemerkenswerter Vogelarten Schleswig-Holsteins für die Jahre 1950-1954. Orn. Mitt. 7, 5. 21

SCHMIDT, G. A. J. (1956, 1958, 1960, 1961): Jahresberichte über die Vogelwelt Schleswig-Holsteins. Mitt. F. A. G. 9-14

SCHMIDT, G. A. J. (1963): Meilensteine der Türkentaube. Heim. 70, S. 271

SCHNEIDER, E. (1958): Türkentauben (Streptopelia decaocto) in Ostholstein. Heim. 65, S. 105

STRESEMANN, E. und E. NOWAK (1958): Die Ausbreitung der Türkentaube in Asien und Europa. J. Orn. 99, S. 243 DOI: https://doi.org/10.1007/BF01675251

Downloads

Veröffentlicht

15.05.1966

Ausgabe

Rubrik

Artikel

Zitationsvorschlag

Hofstetter, F.B. (1966) „Die Besiedlung Schleswig-Holsteins durch die Türkentaube Streptopelia d. decaocto“, CORAX, 1(4), S. 189–199. doi:10.21248/corax.v1.93.