Über (Miss-)Kommunikation bei mittelalterlichen Sprachkontakten
Der Fall einer Korrespondenz zwischen Riga und Polozk aus dem Jahre 1470
DOI:
https://doi.org/10.21248/hgbll.2021.219Abstract
Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit den Herausforderungen in der Kommunikation im Handel des östlichen Ostseeraums. Die hier in den Blick genommenen Beziehungen zwischen Riga und Polozk waren intensiv und umfangreich; dennoch bleibt weitestgehend offen, wie genau die Kommunikation verlief, welche Sprachen benutzt wurden und in wessen Verantwortung die Übersetzung lag. Dieser Beitrag untersucht den einzigen lateinischen Brief, der von Polozk an Riga im 15. Jh. geschickt wurde. Weiterhin wird behandelt, welche Rolle das Latein in der Kommunikation zwischen den Städten spielte und ob die Situationen in Polozk und Novgorod in Bezug auf Übersetzungen sich unterschieden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der möglichen Beteiligung von ‚Schlesiern‘ als Dolmetscher am Polozker Hofe, wie sie in der letzten überarbeiteten Ausgabe der Polozker Urkunden vorgeschlagen wird. Die Auseinandersetzung mit dem Text und seinem zeitlichen Kontext spricht dabei für schlesische Übersetzertätigkeit und erlaubt die Hypothese, dass ihre Erwähnung zudem auf handelspolitische Verschiebungen anspielt.