Der Nordwestküsten-Potlatch aus wissenskultureller Perspektive
Abstract
Im Folgenden werde ich das Potlatch-Wesen als zentrale kulturelle Institution der Nordwestküste Nordamerikas unter wissenskulturellem Aspekt betrachten und dabei historisch-ethnographisches Material zum von mir untersuchten Fall der Nuuchahnulth ("Nootka"; im Folgenden kurz: NCN) heranziehen. Beim Potlatch handelt es sich grundsätzlich um von Adligen veranstaltete Übergangsriten, in denen Namenstitel einer Verwandtschaftsgruppe an Erben weitergegeben werden. Gültigkeit erlangen die dergestalt neu besetzten Adelspositionen nur durch die Zeugenschaft möglichst vieler hochrangiger Gäste aus anderen Familienverbänden und Ethnien, wofür sie aus den Händen der Gastgeber im großen Umfang Gaben erhalten, deren Annahme den Vorgang legitimiert (Barnett 1938). Potlatches sind splendide Feste, bei denen neben der Verköstigung großer Menschenmengen die gastgebenden Familienverbände ihre Wappen und Adelsprivilegien zur Schau stellen, sei es in bildlicher Form auf Wandschirmen, Masken und Wappenpfählen oder performativ in Liedern und Tänzen. Verknüpft mit den Namenstiteln verweisen diese in den meisten Kulturen der Region auf konkrete territoriale Rechte.
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