On the occurrence and behaviour of the long-tailed duck Clangula hyemalis in the western Baltic Sea
DOI:
https://doi.org/10.21248/corax.v1.102Abstract
Die Eisente soll nach älteren Quellen gerade an der schleswig-holsteinischen Ostküste in ungeheuren Scharen und als häufigste Entenart aufgetreten sein. Neuerdings wird von erheblichem Bestandsrückgang gesprochen, ohne daß anerkennenswerte Anhaltspunkte vorliegen. Nach Beobachtungen von 1947 bis 1966 wird Material zur Beurteilung des heutigen Standes der Eisente bei uns beigebracht.
Fehlerquellen: Es wurden bisher zu viel gefühlsbetonte Mengenangaben gemacht. Zufällige lokale Feststellungen übertrug man fälschlich auf die ganze Küste, auf die weite See bzw. auf den ganzen Winter. Man konstruierte von lokaler Warte aus Zu- und Abnahme. Flug- und Ruflust der Eisente erwecken zu leicht den Eindruck der Menge.
Brutheimat: Nach Ringfunden Wintergäste oder Wintervögel bei uns aus Nordrußland bis Westsibirien, dazu wohl aus Schweden und Finnland. Eine Richtungsbindung weist auch nach Nordwesten (vgl. Ringfund aus Grönland).
Auf dem Zugweg Weißes Meer - Ladoga - Ostsee teilweise bereits im September Vögel bis zur Nordsee. In der Hauptsache erst ab Anfang Oktober vor Schweden und Ostpreußen, ab Mitte X. vor Dänemark und ab 22. X. vor der Ostseeküste bei uns. Für 21 Jahre kein eigentliches Ankunftsdatum: Spanne zwischen 22. X. und 7. II. (Tab. 1). Die „Eisente", bes. die alten Männchen, „Wettervögel" je nach Eislage in der Ostsee. Die Mehrzahl der Weibchen und die Diesjährigen im Herbst kaum zu sehen. Vermutung: Von IX.—XI. in schnellem Streckenzug, bes. nachts, über unser Gebiet hinweg in die westeuropäischen Winterquartiere ziehend. Flugleistung leichthin 600-700 km. Dominieren der Weibchen und Jungen vor England und im Kanal.
Aktueller Herbstzug fast nur auf dem Fehmarnbelt, also weitab vom Land, bemerkt. Er geht offenbar über die Kieler und Eckernförder Bucht weiter und dann über Nacht zur Nordsee. Keine klare Trennung gegenüber der Winterflucht zum Jahresende hin. Zugstunden: B-12.30 (u. 15.45) h, bes. Morgen- oder Abendzug bzw. Fortsetzung oder Einleitung des vorwiegenden (?) Nachtzuges. Zughöhe: 2-30 m über dem Wasser. In kleineren Trupps zu etwa 3-30 oder auch 50 Vögeln unterwegs (Tab. 2).
Eintreffen eines Winterbestandes (Wintervögel) unregelmäßig, jahrweise aber nicht selten, Ende XII. bis Mitte I., teils bis Anfang II. Beispiel der Winterflucht im Eiswinter 1962/63 (27. XII.-13. I.). Zum Teil Ausweichen in alle Richtungen (auch NE) auf der Suche nach offenem Wasser, nicht selten ins Binnenland hinein.
Wasservogelzählungen: Im Eiswinter 1962163 weitgehend Räumung unseres Ostseeraumes zum Januar mit dem Zufrieren der See, im milden Winter 1963/64 Überwinterung weiter östlich in größerer Zahl. Die Ostsee vor Schleswig-Holstein ist kein maßgebendes Winterquartier für Eisenten, aber im Herbst (bes. Kieler Bucht, SW-Ecke, bis 700 Ex.) und im Frühjahr (bes. Hohwachter Bucht und Fehmarn, bis 2500 bzw. 13000 Ex.) eine beachtliche Durchgangsstation dieser Vogelart. Die Flensburger Förde (bis 250 Ex.) und die Lübecker Bucht (bis 385 Ex.) liegen etwas abseits (Tab. 3 u. 4).
Die Eisente ist an unserer Ostseeküste keineswegs die häufigste Meeresente. Nach den Höchstzahlen für Konzentrationen der Entenarten rangiert Clangula hyemalis hinter Bergente, Reiherente, Eiderente und Trauerente an fünfter Stelle (Tab. 5).
Frühjahrszug als Abwanderung der Wintervögel bzw. als Randzug bereits ab 31.I.-10.II., jahresweise abgestoppt durch Eisbildung, fortgesetzt evtl. vom 12.-25.II. — Heimzug aus Westen her ab etwa 1.-31.III., einschließlich vieler neuangekommener Weibchen und Vorjähriger von Ende III. bis Mitte/Ende IV. (Tab. 6-8). Verzögerung nach dem Eiswinter 1962/63: Zug ab Mitte III., bes. ab 6.IV., mit Höhepunkt am 13.IV. (ca. 13000 Ex.) als Zugstauung. Vorjährige bes. ab 6.1V. Insgesamt also 24 000 Durchzügler (Tab. 9). Zuggruppen zu 2-15 Ex., nicht selten bis zu 50 Ex., einige bis zu 225 Ex. Zugformationen: Geschlossene Pulks oder Scharen (vgl. Star), Schrägreihen, Bänder, wenig in Haken oder Keilen (wie sonst bei der Trauerente). Zugstunden: 5.45-12.00 (u. 16.10) h. Zughöhe und anderes vgl. Herbstzug. Balz hemmt den Zugaufbruch. — Zugwetter? — Frühjahr 1963: 7634 Ex. nach NE, 2138 nach NW vor Fehmarn. Letztbeobachtungen (Tab. 10) für 19 Jahre zwischen 3.IV. und 5.V., Stichtag 17.IV., je nach milden (1948/49) oder harten Wintern (1962/63, vgl. aber 1953/54). Daten aus der östlichen Ostsee vgl. Tab. 11.
An unserer Ostseeküste etwa 13 bevorzugte Küstenstrecken als Aufenthaltsplätze (Tab. 12), vor unserer Nordseeküste zumeist geringzählige Vorkommen (Tab 13). Biotop: Klares Flachwasser über Sandboden bei 1-6 m Tiefe, ferner — auch gerade zur Ruhe — bei 6-10 in (Tab. 14) und auch nicht selten 15-20 und z. T. weitab vom. Land bis 28 m. Entsprechend 28 bis über 70 Tauchsekunden. Nahrungshinweise: Polychaeten, Mollusken (Tellina, Cardium, Mytilus), Garnelen. Selten im Inneren der Förden (zumeist schadhafte Ex.), auch kaum bei Sturm. Gelegentlich der Balz an küstenoffenen Binnenseen (Tab. 15). Im Binnenland als Zuggast und bei Ostsee-Vereisungen.
Balz als dominierendes Verhalten bei der Eisente ab Mitte XI. Etwa ab 19.XII. feste Paare, bes. nach der Rückkehr von Weibchen aus dem Westen (I1.—IV.). Vgl. Tab. 16.
Balzvorgänge: 1. Anschlußsuche mit Reifung der Verhaltensweisen und als Einleitung der Anpaarung: Rundflug (Appetenz). Paradeflug (Imponieren). Fanfare (Signal). — Balz-Club (Gesellschaftsspiel).
2. Anpaarung (Männchen): Stationäre Werbung mit Aufrichten, Drehen, Vorwippen, Schwanzschütteln und Fanfare (Halsrecken, Halswerfen). Paradeschwimmen. Sprungflug. Andeuten (z.T. Drohen?). Wegbeißen der Rivalen (mit Drohen). Nachtauchen. — (Weibchen): Desinteresse. Wegbeißen. Kokettieren mit Kopfwenden, Kopf-in-den-Nacken, Lockschwimmen, Locktauchen, Lockfliegen.
3. Paarbindung: Partnerwahl nach Individualmerkmalen wie Körpermuster, Schulter, Schwanz, Schnabel und Stimmlage. Nachschwimmen. Hetzen. Zusammenrücken der Paare. Abtrennung von der Menge.
4. Massenbalz? Große Scharen sind in sich gegliederte Verbände mit Gesellschaftsspiel und echter Paarbildung. Sie enthalten zumeist sehr viele Vorjährige und sorgen für Stimulation, Komment und Synchronisation bei der Paarbildung.
Geschlechterverhältnis (Tab. 17 u. 18): Von 1948 bis 1966 — nach relativ kleinen Zahlen — im Januar über 70%, im April noch über 60% Männchen anwesend. Weibchen und Vorjährige überwintern nur geringfügig bei uns und wandern sehr schnell durch, sind dadurch kaum zu erfassen. 1948 bis 1966 für alle Wintermonate 1246,602 Ex. (67,4% Männchen).
Todesursachen: Ölpest-Perioden (Tab. 19). Netzfang durch Fischer. Jagd unbedeutend.
Körpermaße: Übersicht über die Werte bei 29 Männchen (auch Vorjährigen) und 4 Weibchen (Tab. 20 u. 21). Schwanzspieße als Altersbestimmungsmerkmal. Mauser ins Frühjahrskleid bei alten Männchen recht unauffällig bereits ab II(?), allgemein ab Ende III./Mitte IV., bei alten Weibchen und Vorjährigen bes. ab Mitte IV. (Tab. 22).
Feldornithologische Merkmale, soweit erwähnenswert: Wendigkeit des Fluges, Flügelführung und -färbung. Weibchen gegenüber Jungvögeln bzw. Vorjährigen nach Kopfseiten-Partien, Schulterfeld und Schwanzform und -färbung. Stimme Männchen: Fanfare, Weibchen: „UH*. Erregungsruf: „ ak".
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